Kurzwaren – es kommt nicht immer auf die Länge an!

Kurzware ist jedes Verbrauchsmaterial, jeder Klein(st)artikel, den ein Schneider für seine Näharbeiten braucht: Nadel, Garn, Reißverschluss, Paillette, etc.. – Der Stoff, den der Schneider verarbeitet, ist hingegen Meterware.

Einige Beispiele für Kurzwaren

* Applikationen:

  • Aufnäher
  • Flicken
  • Litzen
  • Nieten
  • Pailletten
  • Perlen
  • Tressen

* Borten* Miederzubehör:

  • BH-Bügel
  • BH-Softschalen
  • Schieber/Versteller für BH-Träger
  • Strumpfhalter für Strapse

* Einfädelhilfen* Gummizüge:

  • Einziehgummi
  • Zackengummi
  • Einnäh-Gummi

* Nadeln* Bänder:

  • Gurtband
  • Paspelband
  • Saumband
  • Schrägband
  • Seidenband
  • (elastisches) Spitzenband

* Hilfsmittel:

  • Scheren
  • Schneiderkreiden
  • Rollschneider
  • Trennmesser
  • Zangen

* Verschlüsse:

  • Häkchen
  • Knöpfe
  • Ösen
  • Reißverschlüsse
  • Schnallen

Die verschiedenen Garne zählen ebenfalls zu den Kurzwaren: Näh-, Stopf-, Perl- und Reihgarne in jeder gewünschten Farbe.

Außerdem werden Kurzwaren im Zusammenhang mit anderen Handarbeitsarten wie Stricken, Häkeln, Sticken, Stopfen, Knüpfen gebraucht.

Nähbedarf – in der Vergangenheit und Gegenwart

Im 15. und 16. Jahrhundert war die Materialbeschaffung für Näharbeiten nicht einfach. So durften Garne (Stoffe) ausschließlich auf dem (Stadt-) Markt angeboten werden. Der Haustür- und Straßenverkauf war streng untersagt.

Warum Handarbeitszubehör „Kurzware“ heißt

Die Begriffsprägung führt zurück bis ins Zeitalter der Aufklärung und der industriellen Revolution. Im 18. Jahrhundert sprachen Kaufleute plötzlich von „kurzen Waren“. Das Wort „kurz“ wurde synonym zu „klein“ verwendet. „Kurze Waren“ sind also klein(st)e Handelsgüter.

Die Händler unterschieden „kurze Ware“ von „Ellenware“. Ellenwaren heißen inzwischen „Meterwaren“. Ihr Preis bemisst sich nach ihren „laufenden Metern“, ihrer Länge. Der Verkaufspreis der „kurzen Waren“ wird dagegen durch ihre Stückzahl oder ihr Gewicht festgelegt. Sie sind kleine Stück- oder Schüttgüter. Im Sprachgebrauch wurde aus der „kurzen Ware“ die „Kurzware“.

Die Kurzwarenhändler der 1950er Jahre

Den Stellenwert, den heute Baumärkte haben, hatten bis weit über die 50er Jahre hinaus die Kurzwarengeschäfte. Sie gehörten fest zum Stadtbild. In Dörfern bot der Gemischtwarenladen oft nur ein kleines Sortiment Kurzwaren an. Wollten Dorfbewohner spezielle Knöpfe oder besonderes Nähgarn kaufen, galt es den Kauf zu planen.

Entweder mussten sie die Artikel in der nächsten größeren Stadt erwerben oder auf einen der reisenden Kurzwarenverkäufer warten. Diese mobilen Händler kamen mindestens ein Mal jährlich mit eigenen Wagen, Koffern, gar Bauchläden, um den Bedarf an Seidenbändern, Borten und anderem Nähzubehör in den Dörfern zu decken.

Kurzwaren im 21. Jahrhundert kaufen

Kurzwarenhandlungen sind aus den Städten verschwunden. Doch wo sind heute zum Beispiel Litzen in großer Auswahl zu finden? Ist im verwaisten Gang eines Supermarktes zwischen Strumpfwaren und Computerzubehör zu suchen?

Nein, denn auch der Kurzwarenladen der 50er Jahre ist heute online! Mit einer Suchmaschine sind bunte Litzen aus verschiedensten Materialien und in vielen Ausführungen nur wenige Klicks weit entfernt.